06 | 12 | 2022

Die Wahrheit

 

Es gibt unzählige Sprichwörter, viagra canada viagra buy die die Wahrheit in den Himmel loben. Und schon als kleines Kind wurde ich belehrt, viagra sales dass man nicht schwindeln dürfe und die Wahrheit etwas Edles und Kostbares sei. Aber wenn ich einen Erwachsenen beim Lügen ertappt habe, viagra so wurde mir klar gemacht, dass ich noch zu klein sei, um das zu verstehen. Inzwischen bin ich ein alter Mann geworden, aber wieso man die Wahrheit predigt und gleichzeitig draufloss schwindelt, dass die Balken krachen, das versteh ich immer noch nicht.

Heinz Joho

 

 

Vielleicht mag es darin liegen, dass wenn - wie Göthe gesagt hat - es Gott darum zu tun gewesen wäre, dass die Manschen in der Wahrheit leben und handeln sollen, er seine Einrichtungen anders gemacht hätte. Ich finde das eine ganz plausible Erklärung z.B. für das Verhalten der sogenannten "class politique", die ja den Begriff "Wahrheit" auch nicht allzu eng sieht, gehört es doch dort zum guten Ton, dem Volk Dinge vorzugaukeln, die dann in der Realität ganz anders verlaufen. Ich glaube, es erübrigt sich, hier Beispiele anzuführen, denn diese Spielchen wiederholen sich doch praktisch bei jeder Abstimmung.

Allerdings hat offenbar "Lüge" auch in diesen Kreisen einen unangenehmen Beigeschmack bekommen, also versucht man dieses Wort mit sprachlichen Neuschöpfungen zu vernebeln und ist bei "political correctness" fündig geworden, womit natürlich gleichzeitig eingestanden wird, dass das, was politisch korrekt scheint, mit der Wahrheit nichts gemein haben muss. Denn "political correctness" heisst nichts anderes als "... das was eine bestimmte Gruppierung für die momentane Situation wahr haben will...". Und wenn es sich dabei um den grössten Unsinn handelt, oder, wie es Peter Scholl-Lator definiert, "absurd ist diese Namensgebung, weil hier unter dem Anschein von Korrektheit ein mehr oder weniger willkürliches System von moralischen Verboten errichtet worden ist, das von einer "heuchlerischen Intoleranz" gekennzeichnet ist" ...aber lassen wir das.

Es ist ja wirklich nicht sehr neu. Schon Shakespeare hat in einem politischen Stück geschrieben, dass die Wahrheit ein Hund sei, der ins Loch muss und hinengepeitscht werde, während die Lüge, Madame Schosshündchen, am Feuer stehen und stinken dürfe. Eine Tatsache, die sich bis heute nicht gross verändert hat.

Andererseits hat Goethe der Dichterfürst, der nach neuesten Erkenntnissen ja auch ein ganz gewiefter Spitzel seines Landesfürsten gewesen sein soll, auch noch eine andere Erklärung dafür, weshalb mit der Wahrheit ziemlich sorglos umgegangen werden kann. Er meinte nämlich auch, dass eine Erscheinung nicht vom Beobachter losgelöst, sondern vielmehr in die Individualität desselben verschlungen und verwickelt sei.

Dies ist eine Feststellung, die von der modernen Philosophie und Kunst als zutreffend betrachtet wird. Bedeutet das aber, dass es gar keine reine Wahrheit geben kann? Denn jeder nimmt die Wahrheit auf seine Weise war und ist mit ihr auf seine Art verschlungen. Ich glaube, Anwälte und Scheidungsrichter könnten darüber ein Liedchen singen. Auch Marie Ebner-Eschenbach spielte darauf an, als sie meinte, dass die Wahrheit Kinder habe, die sie nach einiger Zeit verleugne. Diese hiessen dann Wahrheiten. Womit sie natürlich auch auf den Zeitfaktor einer Wahrheit anspielte. Was heute wahr ist, kann morgen schon eine Lüge sein und umgekehrt. Diese Gedanken sollten eigentlich zu einer gewissen Toleranz gegenüber der Lüge,bzw. der verborgenen und manipulierten Wahrheit zwingen, versuchen sie doch verständlich zu machen, warum auf dieser Welt soviel gelogen wird. Aber können wir wirklich leichtfertig mit der Wahrheit umgehen, indem wir das, was gestern wahr war, heute als relativ wahr und morgen als Schwindel deklarieren?

Auf alle Fälle, sollten sie einen warnen, vor Menschen auf der Hut zu sein, die - und mögen sie auch noch so prächtige Talare und komische Hüte tragen - von sich behaupten, sie seien im Besitz der alleinigen Wahrheit. Denn eine solche kann es in keinem Bereich der materiellen und geistigen Existenz des Menschen geben. Jeder nimmt die Wahrheit anders wahr. Ausserdem kommt noch hinzu, wie Joubert festgehalten hat, dass das, was beim Licht der Lampe wahr ist, es noch lange nicht auch beim Schein der Sonne zu sein braucht.

Andererseits gibt es eine Sorte von Wahrheit, die sehr resistent ist. Ich vergleiche sie gerne mit einem ausserordentlich vitalen Baum: Vor einem gewissen Haus im Tessin verläuft eine kleine Strasse, die vor vielen Jahren bis an die Hausmauer geteert wurde. Eine dort stehende Glycinie wurde dabei gekappt. Nach langer, langer Zeit hat sie sich erneut durch den Teer durchgezwängt und heute ist sie ein haushoher Baum mit wunderbar duftenden Blüten. Genu so setzt sich auch eine echte Wahrheit immer wieder durch, auch wenn es manchmal sehr lange dauert. Dies ist übrigens eine Binsenweisheit, die sich überall dort wo es Menschen gibt, durchgesetzt hat. So sagen sie in Abessinien: "Die Wahrheit und der Morgen klären sich nach und nach auf". Derweil vergleichen die Angolaner die Wahrheit mit einem Furz, der, selbst wenn unter Wasser losgelassen, an die Oberfläche steigt.

Wahrheiten mögen alles sein, individuell, temporär und relativ etc., sie können sich von Tag zu Tag ändern, ja , von morgens früh bis abends spät. Irgendwie erkennt man aber die andere Sorte Wahrheit ganz intuitiv, wenn man mit ihr konfrontiert wird. Und diese hat Bestand. Sie umfass Gott, Frieden, Freiheit und Menschenwürde.

 

Die Stunde im Lehnstuhl - Vista August 2000